Das Weimarer Stadtschloss ist wieder offen: Was Besucher im Ostflügel erwartet

Nach acht Jahren Bauzeit ist der Ostflügel offen: Bachs verlorene Hofkapelle, Goethe als Baumeister, ein Bunker unter der Beletage und ein Erdgeschoss ohne Ticket.

Stadtschloss Weimar: Fenster mit Kronleuchter im Gegenlicht


Seit dem 2. Oktober 2026 ist das Weimarer Stadtschloss wieder offen, zumindest ein Teil davon. Ich war am Eröffnungswochenende bei den Feierlichkeiten und ein paar Tage später noch einmal in aller Ruhe, als die Räume leiser waren. Hier ist, was ich gesehen habe, und alles, was ihr für euren Besuch wissen müsst.

Fassade des Weimarer Stadtschlosses mit dem Eingang zum Museum


Acht Jahre hinter Bauzäunen


Wer in den letzten Jahren mit mir durch Weimar gegangen ist, kennt das Schloss am Burgplatz nur als lange Fassade hinter Bauzäunen. Rund acht Jahre hat die Sanierung des Ostflügels gedauert. Für die Herrichtung des gesamten Schlosses stellen Bund und Freistaat Thüringen 140 Millionen Euro bereit. Die übrigen Flügel folgen nach und nach, voraussichtlich bis 2032.


Ein Schloss, das zweimal abbrannte


Die neue Foyer-Ausstellung zur Schlossgeschichte zeigt schnell, wie oft dieses Gebäude neu anfangen musste. 1618 brannte das halbe Schloss nieder, und in der Stadt erzählte man sich, ein unvorsichtiger Goldmacher sei schuld gewesen. Belegt ist das nicht, die Geschichte hält sich trotzdem.


Am 6. Mai 1774 brannte es erneut, höchstwahrscheinlich nach einem Gewitter. Mit dem Bau ging auch die Hofkapelle verloren, die man in Weimar die Himmelsburg nannte. Dort hatte Johann Sebastian Bach zwischen 1708 und 1717 als Hoforganist gespielt und einen großen Teil seiner Orgelwerke geschrieben. Seine Weimarer Jahre endeten unschön: Als er auf seine Entlassung drängte, um nach Köthen zu wechseln, ließ Herzog Wilhelm Ernst ihn vier Wochen lang in Arrest setzen.


Als der Wiederaufbau 1789 endlich begann, war Goethe an der Planung beteiligt. Gemeinsam mit dem Architekten Heinrich Gentz entstand das klassizistische Schloss. Sein Treppenhaus ist heute wieder der Weg hinauf in die Beletage, und es ist der Ort, an dem es mich am meisten verzaubert hat.

Gentzsches Treppenhaus im Stadtschloss Weimar mit Kronleuchter und Geländer


Zeitschichten statt Hochglanz


Die Klassik Stiftung hat darauf verzichtet, einen vermeintlich vollkommenen Zustand von um 1800 wiederherzustellen. Die verschiedenen Epochen des Hauses bleiben sichtbar: alte Türen, unrestaurierte Wände, Spuren vieler Jahrhunderte. Dazu kommen Statik, Brandschutz und Sicherheitstechnik, wie ein Museum sie heute braucht.

Alte Türen und unrestaurierte Wände im Stadtschloss Weimar


Zwischendurch hatte die Baustelle mit einem Gegner zu tun, den man lange nicht sieht: dem Echten Hausschwamm, einem Pilz, der Holz zerstört. Im Speisezimmer mussten deshalb Putz, Stuck und Malereien abgenommen werden. Erst nachdem die Unterkonstruktion erneuert war, haben Restauratorinnen und Restauratoren sie wieder angebracht.


Wechselvoll ist auch die Geschichte der Schlosskapelle, die 1847 geweiht wurde und jetzt bei Führungen zu sehen ist. Nach dem Krieg wurde sie entweiht und als Konzertsaal genutzt. Von 1964 bis 2004 stand in ihr ein viergeschossiges Stahlgerüst voller Bücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Vierzig Jahre lang war die Kirche ein Magazin.


Was unter dem Ostflügel liegt


Die neue Dauerausstellung »Weimarer Klassik« führt durch die Beletage, den Festsaal und die Falkengalerie. Sie fragt, wie der Fürstenhof die Erinnerung an die Klassik geformt, gefördert und politisch genutzt hat, über das ganze 19. Jahrhundert bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs.


Das Schloss hat aber auch spätere Kapitel. 1919, während im Theater die Nationalversammlung tagte, nutzte die provisorische Reichsregierung Räume im Schloss. In der NS-Zeit diente das Gebäude der politischen Repräsentation, und ab 1943 mussten Häftlinge des KZ Buchenwald unter dem Ostflügel eine Bunkeranlage bauen. Teile davon sind seit der Wiedereröffnung zum ersten Mal öffentlich zugänglich. Oben der Festsaal, unten der Bunker, beides im selben Haus und an einem Nachmittag zu erreichen.


Ein offenes Erdgeschoss


Ein Teil des Schlosses kostet nichts. Das Schlossforum im Erdgeschoss mit Passage, Innenhof und Ilmterrasse ist frei zugänglich, ebenso die Foyer-Ausstellung mit Schlossmodell und archäologischen Funden aus dem Mittelalter. Das neue Besuchszentrum liegt in der Passage am Grünen Haus, dem ältesten Teil des Schlosses.


Die Stiftung hat die Bauzeit seit 2022 mit dem Kunstprojekt »Schloss erzählen« begleitet und darin unter anderem gefragt: »Wer braucht heute ein Schloss?« Eine mögliche Antwort findet sich im Erdgeschoss, in einem offenen Ort zwischen Altstadt und Park, an dem man sich treffen kann, ohne vorher eine Karte zu lösen.

Blick durch ein Schlüsselloch auf eine Frauenfigur in Renaissancekleidung, Installation im Stadtschloss Weimar


Praktische Infos (Stand 06.10.2026)

  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr

  • Eintritt Beletage: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro

  • Kostenlos: Schlossforum, Passage, Innenhof, Ilmterrasse und Foyer-Ausstellung

  • Besuchszentrum: in der Passage am Grünen Haus

  • Aktuelle Infos und Tickets: bei der Klassik Stiftung Weimar


Schloss, Goethe und Park an einem Tag


Das Schloss liegt direkt zwischen Altstadt und Park an der Ilm, und so lässt sich ein Tag gut planen: vormittags die Beletage und der Bunker, mittags auf der Ilmterrasse oder im Park, nachmittags weiter zu Goethes Gartenhaus. Wenn ihr Goethes Wohnhaus am Frauenplan noch von innen sehen wollt, beeilt euch: Es ist ab dem 2. November 2026 wegen Sanierung geschlossen. Davor gibt es am 31. Oktober und 1. November ein Abschiedsfest.


Das Schloss mit mir erleben


Bei meinen Führungen durch die Altstadt bleibe ich am Schloss gern länger stehen, wegen Bach, wegen Goethe als Baumeister und wegen der Frage, wessen Geschichte ein Gebäude eigentlich erzählt. Jetzt kann ich meine Gäste nach der Tour auch wieder hineinschicken. Alle Touren, Termine und Buchung findet ihr unter Touren.

Grünes Schloss mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek im Park an der Ilm

Bereit für die nächste Weimar‑Tour?

Ob Klassik, Bauhaus oder Familienausflug: Für jeden Anlass findet sich der passende Rundgang durch Weimar.

Grünes Schloss mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek im Park an der Ilm

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